Mädchen mit gefangenem Karpfen

Karpfenangeln an der Aller

Wie du die starken Flusskarpfen in der Strömung findest und mit der richtigen Montage und Ködern erfolgreich fängst

Warum die Aller für Karpfenangler so spannend ist

Wenn du am Ufer der Aller stehst und das Wasser vorbeiziehen siehst, ahnst du vielleicht nicht, dass hier Karpfen mit komplett anderen Verhaltensmustern unterwegs sind als in deinem Vereinssee. Die Aller verfügt über einen hervorragenden Karpfenbestand – das bestätigen lokale Vereine wie der ASV Gifhorn offiziell. Zwischen Celle und der Mündung in die Weser schlängelt sich dieser 15 bis 40 Meter breite Fluss durch Niedersachsen und bietet dir auf vielen Kilometern beangelbaren Zugang zu kampfstarken Karpfen.

Was die Aller besonders macht: Die mäßige Fließgeschwindigkeit und die zahlreichen Altarme schaffen perfekte Bedingungen. Du findest hier sowohl strömungsreiche Abschnitte mit nomadischen Karpfen, die ständig in Bewegung sind, als auch ruhige Bereiche, in denen sich die Fische zum Fressen sammeln. Der ASV Winsen/Aller organisiert hier seit Jahren erfolgreich Karpfenangeln – moderne Boilies haben längst die traditionelle Kartoffel abgelöst.

Der entscheidende Unterschied zu Stillgewässern: Flusskarpfen verbrauchen durch die ständige Bewegung in der Strömung deutlich mehr Energie. Das bedeutet für dich: Sie müssen mehr fressen und sind deshalb oft aggressiver beim Köder. Gleichzeitig musst du deine Köder und Montage komplett anders aufbauen als beim Karpfenangeln im See. In diesem Guide erfährst du, wie du die wandernden Aller-Karpfen findest, mit welchen Montagen du der Strömung trotzst und welche Köder bei den energiehungrigen Flusskarpfen wirklich funktionieren.

Die richtigen Köder für Aller-Karpfen

Wenn du zum ersten Mal Karpfen im Fluss angelst, vergiss die Köder-Strategien aus dem See. Flusskarpfen brauchen energiereiche Nahrung – und genau hier kommen Pellets ins Spiel. Diese öl- und eiweißhaltigen Presslinge sind ideal, weil sie den erhöhten Energiebedarf der ständig gegen die Strömung schwimmenden Karpfen decken. Anders als Mais oder Maden, die zwar zum Anfüttern funktionieren, liefern Pellets die Nährstoffdichte, die ein Flusskarpfen braucht.

Boilies ab 22 mm Durchmesser sind deine zweite Waffe. Warum diese Mindestgröße? Die Aller hat wie viele norddeutsche Flüsse ein Wollhandkrabben-Problem. Kleinere Boilies werden von den Krabben zerrupft, bevor ein Karpfen sie überhaupt findet. Mit 24 oder sogar 28 mm Boilies hältst du die Plagegeister fern. Besonders erfolgreich haben sich Pop-Ups am Ronnie Rig erwiesen – vor allem in ausgewaschenen Farben wie Pink. Diese schwimmen leicht über dem Grund und werden von den strömungssuchenden Karpfen sofort entdeckt.

Mais und Partikel: Anfüttern ja, Hakenköder eher nicht

Mais funktioniert hervorragend zum Gewöhnen der Fische, aber als Hakenköder an der Aller wirst du damit Probleme haben. Die Strömung und die Krabben machen dir einen Strich durch die Rechnung. Nutze Mais lieber in Kombination mit Pellets zum Anfüttern – die gelben Körner ziehen die Karpfen an, während die Pellets sie sättigen. Sobald die Fische regelmäßig auf deinem Futterplatz stehen, steigst du auf große Boilies um. Das schützt vor Fehlbissen durch Weißfische und sorgt dafür, dass wirklich nur die kapitalen Karpfen beißen.

Köder-Checkliste für die Aller

Pellets (6-20mm) – öl- und eiweißhaltig für energiehungrige Flusskarpfen

Boilies ab 22mm – Schutz vor Wollhandkrabben

Pop-Ups (24mm+) – schwimmen über Grund, ideal für Ronnie Rig

Washed-out Pink – beste Farbe für Pop-Ups im Fluss

Mais zum Anfüttern – gewöhnt die Karpfen an den Futterplatz

Partikel (Hanf, Tigernuss) – zusätzliches Lockfutter bei mäßiger Strömung

Wichtig: Füttere im Fluss immer flussaufwärts deines Angelplatzes! Die Strömung treibt das Futter automatisch an die richtige Stelle. Wenn du direkt vor deinen Ruten fütterst, landet das Material 5-10 Meter weiter unten – und deine Karpfen fressen dort, wo keine Montage liegt.

Montagen für die Strömung der Aller

Deine Seenmontage wird an der Aller versagen – garantiert. Die Strömung eines Flusses stellt komplett andere Anforderungen an Montage, Schnur und Blei. Wenn du mit 0,28er Hauptschnur und einem Standard-Birnenblei anrückst, wirst du innerhalb von Minuten feststellen, dass die Strömung deine Montage versetzt, verheddert oder schlicht wegdrückt.

Hauptschnur: Mindestens 0,35 mm, besser 0,40 mm

Im Fluss zählt Robustheit vor Dezenz. Eine Hauptschnur von 0,35 mm ist das absolute Minimum, die meisten erfahrenen Flusskarpfen-Angler nutzen 0,40 mm oder sogar dicker. Warum? Die Strömung übt ständig Druck auf die Schnur aus, und wenn ein großer Schuppenkarpfen im Drill in die Hauptströmung zieht, brauchst du Reserven. Dünne Schnüre schneiden zu sehr in die Strömung ein und werden permanent bewegt – das verscheucht vorsichtige Karpfen.

Vorfach: Steif muss es sein

Vergiss weiche Vorfächer aus geflochtener Schnur. Im Fluss brauchst du ein steifes Vorfach aus dicker Mono oder Fluorocarbon. Das hat zwei Gründe: Erstens verwickelt sich ein steifes Vorfach nicht so leicht in der Strömung. Zweitens steht dein Köder dadurch besser ab vom Blei und wird nicht ständig gegen das Gewicht gedrückt. Ein 25-30 cm langes Vorfach aus 0,45 mm Fluorocarbon ist perfekt. Es hält dem Druck stand, wenn ein Karpfen durchstartet, und bleibt auch nach mehreren Würfen gerade.

Blei: Flach und klumpig gegen die Strömung

Das Blei ist der Anker deiner Montage – buchstäblich. Runde Birnenbleie rollen in der Strömung weg wie Murmeln. Was du brauchst, sind flache, klumpige Bleiformen wie Grippa-Bleie oder Triangle-Leads. Diese legen sich plan auf den Grund und halten durch ihr unregelmäßiges Profil deutlich besser. Das Gewicht hängt von der Strömung ab: Bei mäßiger Strömung reichen 80-100 g, bei stärkerer Strömung brauchst du 120-150 g. Montiere das Blei immer mit einer Mini-Reißleine – wenn du im Drill an einem Hindernis hängenbleibst, kannst du das Blei opfern, ohne den Fisch zu verlieren.

Montage-Komponenten im Überblick

Hauptschnur 0,35-0,40 mm (monofile oder Geflochtene mit Schlagschnur)

Dicke Schnur für maximale Stabilität in der Strömung und im Drill

Vorfach 25-30 cm aus 0,45 mm Fluorocarbon (steif)

Steifes Material verhindert Verwicklungen und hält den Köder vom Blei fern

Grippa-Blei oder Triangle-Lead 80-150 g

Flache Form hält am Grund, Gewicht je nach Strömungsstärke wählen

Ronnie Rig oder Chod Rig für Pop-Ups

Ideale Rig-Varianten für schwebende Köder über dem Grund

Safety Clip oder Heli-Safe

Ermöglicht Blei-Abwurf bei Hänger, schützt den Fisch im Drill

Wenn du die Vorteile von Futterkörben mit der Stabilität von Blei kombinieren willst, nutze River In-Line Futterkörbe in 40-80 g. Diese lassen sich mit Pellets befüllen und halten trotzdem am Grund. Perfekt für strömungsarme Bereiche oder wenn du die Karpfen gezielt auf den Futterplatz locken willst.

Die besten Angelstellen an der Aller

Karpfen im Fluss zu finden ist eine komplett andere Hausnummer als im See. Während du im Stillgewässer die üblichen Spots wie Schilfkanten oder Seerosenfelder abfischen kannst, ziehen Flusskarpfen wie Nomaden umher. Ihre Zugrouten sind zigmal größer als die von Seenkarpfen – das bedeutet für dich: Du musst die Bereiche finden, in denen sie sich regelmäßig aufhalten oder fressen.

Schleuse Marklendorf: Der Top-Spot an der Aller

Wenn du nur einen einzigen Spot an der Aller testen willst, dann die Schleuse bei Marklendorf. Dieser Bereich gilt unter Einheimischen als absoluter Geheimtipp und wird in Fachmagazinen regelmäßig als Top-Angelstelle genannt. Was macht die Schleuse so besonders? Das strömungsberuhigte Becken vor und hinter der Schleuse bietet den Karpfen Ruhezonen, in denen sie ohne ständige Strömungsarbeit fressen können. Gleichzeitig schwemmt die Strömung hier regelmäßig Nahrung an – Muscheln, Schnecken, Insektenlarven.

Wichtig: Checke vor dem Angeln, ob der Bereich direkt an der Schleuse beangelt werden darf. Manche Abschnitte sind aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die Bereiche 50-100 Meter ober- und unterhalb sind aber meist frei und genauso erfolgversprechend.

Altarme: Strömungsarme Paradiese

Die Aller verzweigt sich an vielen Stellen in Altarme und Nebenarme – und genau diese sind Gold wert für Karpfenangler. Laut offiziellen Angaben gehören diese Altarme zur beangelbaren Strecke. Hier herrscht kaum Strömung, das Wasser ist oft klarer, und die Karpfen können in Ruhe auf Nahrungssuche gehen. Im Frühjahr, wenn die Wassertemperaturen noch niedrig sind, stehen die Karpfen bevorzugt in diesen ruhigen Bereichen, weil sie hier weniger Energie verbrauchen.

Achte auf überhängende Bäume, Schilfgürtel oder abgestorbene Äste im Wasser – das sind natürliche Unterstände, die Karpfen lieben. In Altarmen kannst du auch mit etwas leichteren Montagen arbeiten, da die Strömung minimal ist. Ein 60 g Blei reicht hier oft völlig aus.

Strömungsberuhigte Zonen: Buhnen, Inseln, Gumpen

Überall dort, wo die Strömung unterbrochen oder verlangsamt wird, sammeln sich automatisch Futter und Fische. Buhnen (Steinwälle, die ins Wasser ragen) schaffen strömungsarme Taschen, in denen sich Karpfen ausruhen können. Inseln teilen den Fluss und erzeugen ruhige Bereiche an der Leeseite. Gumpen – tiefe Löcher im Flussbett – bieten den Karpfen kühle Rückzugsorte im Sommer und Schutz bei Hochwasser.

Wie findest du solche Spots? Beobachte das Wasser. Wo die Oberfläche deutlich ruhiger ist als im Hauptstrom, hast du einen strömungsberuhigten Bereich gefunden. Mit einem Echolot oder einer Lotbleimontage kannst du die Tiefe checken – Gumpen erkennst du daran, dass die Tiefe plötzlich um 1-2 Meter zunimmt. Genau dort legst du deine Montage ab.

Hauptstrom im Sommer: Muscheln, Krebse und Sauerstoff

Wenn die Wassertemperaturen im Hochsommer über 20°C klettern, verändert sich das Verhalten der Karpfen. Jetzt ziehen sie verstärkt in den sauerstoffreichen Hauptstrom. Warum? Die Strömung bringt frischen Sauerstoff ins Wasser – und genau dort suchen die Karpfen nach Muscheln, Schnecken und Krebsen. Besonders interessant sind Bereiche mit Bootsanlegern. An den Ketten und Pfählen der Anlegestellen siedeln sich Muscheln an – ein Festmahl für Karpfen.

Im Hauptstrom brauchst du schwere Montagen (120-150 g Blei) und robustes Tackle. Aber die Mühe lohnt sich – die Karpfen, die du hier fängst, sind kampfstark und gut genährt. Achte darauf, deine Montage exakt in der Hauptströmung zu platzieren, nicht am Rand. Die Karpfen ziehen hier aktiv durch und meiden strömungsarme Bereiche tagsüber.

Angelstellen im Jahresverlauf

Jahreszeit
Frühjahr
März – Mai
Beste Zeit
Sommer
Juni – August
Herbst/Winter
September – Februar
Beste Spots
Altarme, BuhnenHauptstrom, MuschelbänkeGumpen, strömungsarme Bereiche
Karpfen-Aktivität
Strömung beachten
Mäßig wichtigSehr wichtigWeniger wichtig
Empfohlene Köder
Mais, PelletsBoilies, Pop-UpsBoilies reduziert

Bei Hochwasser: Weiche in kleine Einbuchtungen dicht am Ufer aus! Wenn die Aller Hochwasser führt, ist die Hauptströmung viel zu stark. Die Karpfen suchen dann Schutz in flachen Uferbereichen und ruhigen Taschen, wo die Strömung sie nicht permanent fordert.

Anfüttern im Fluss: Wie du die Strömung nutzt

Das Anfüttern im Fluss ist eine Wissenschaft für sich. Was im See funktioniert, geht an der Aller meist schief. Die Strömung treibt dein Futter weg, verteilt es unkontrolliert oder schwemmt es in Bereiche, wo keine Montage liegt. Deshalb brauchst du eine komplett andere Strategie als beim Karpfenangeln im Stillgewässer.

Regel Nummer 1: Immer flussaufwärts füttern

Wenn du direkt an der Stelle fütterst, wo deine Montagen liegen, hast du bereits verloren. Die Strömung treibt Pellets, Boilies und Partikel flussabwärts – je nach Strömungsgeschwindigkeit 5 bis 15 Meter weit. Das bedeutet: Deine Karpfen fressen dort, wo kein Haken liegt. Die Lösung ist simpel: Füttere immer oberhalb deines Angelplatzes. Wirf deine Pellets und Boilies 10-20 Meter flussaufwärts ein. Die Strömung transportiert sie automatisch zu deinen Montagen und verteilt sie gleichmäßig über deinen Futterplatz.

Wie weit genau du oberhalb füttern musst, hängt von der Strömung ab. Bei schwacher Strömung reichen 5-10 Meter, bei starker Strömung können es auch 20 Meter sein. Teste es mit ein paar Mais-Körnern: Wirf sie ins Wasser und beobachte, wo sie am Grund ankommen. So findest du die perfekte Futterstelle.

Strömungsberuhigte Bereiche bevorzugen

Im Hauptstrom zu füttern ist Futterverschwendung – buchstäblich. Dein Futter wird kilometerweit verteilt, bevor sich überhaupt ein Futterplatz bildet. Deshalb solltest du gezielt strömungsberuhigte Bereiche anfüttern: hinter Buhnen, in Gumpen, an der Innenkurve des Flusses oder in Altarmen. Dort bleibt das Futter liegen, sammelt sich an einer Stelle und zieht die Karpfen magisch an.

Ein weiterer Vorteil: In ruhigen Bereichen kannst du auch mit Grundfutter und Partikeln arbeiten. Nutze eine Mischung aus Pellets, Mais und zerkleinerten Boilies, um einen dichten Futterteppich zu schaffen. Die Karpfen bleiben länger am Platz, weil sie Zeit brauchen, um das Futter aufzusammeln.

Anfütter-Strategien nach Jahreszeit

Im Frühjahr erwachen die Karpfen aus der Winterruhe und beginnen aktiv zu fressen. Jetzt ist die Zeit, um sie an deinen Futterplatz zu gewöhnen.

Futtermenge:

  • 1-2 kg Pellets pro Angeltag
  • 500 g Mais zum Anlocken
  • 10-20 Boilies über die Session verteilt

Strategie:

Füttere gezielt in strömungsarmen Bereichen wie Altarmen oder hinter Buhnen. Die Karpfen suchen nach dem Winter energiesparende Bereiche auf. Nutze Mais als Lockfutter und platziere wenige große Boilies als Hakenköder. So filterst du Weißfische aus und fängst selektiv Karpfen.

Wenn du auf größere Distanz anfüttern willst oder die Strömung zu stark ist, nutze ein Futterboot oder eine Futterrakete. Damit platzierst du dein Futter zentimetergenau – auch 80 Meter weit draußen im Hauptstrom. Besonders Futterboote mit GPS sind Gold wert, um denselben Spot immer wieder exakt anzufüttern.

Die beste Zeit zum Karpfenangeln an der Aller

Wann beißen die Karpfen an der Aller am besten? Die Antwort ist: Es kommt drauf an – auf die Jahreszeit, die Wassertemperatur und deine Strategie. Anders als im See, wo es klare Beißzeiten gibt, sind Flusskarpfen deutlich aktiver und fressen auch zu ungewöhnlichen Zeiten.

Sommer: Die aktivste Zeit

Von Juni bis August hast du die besten Chancen. Die Wassertemperaturen liegen zwischen 18 und 22°C – das ist der Idealbereich für Karpfen. Jetzt fressen sie aktiv, ziehen durchs Gewässer und sind hungrig. Besonders der sauerstoffreiche Hauptstrom wird zum Hotspot: Hier suchen die Karpfen Muscheln, Schnecken und andere proteinreiche Nahrung. Die erhöhte Strömung macht ihnen nichts aus – im Gegenteil, sie lieben das frische, gut durchlüftete Wasser.

Die besten Beißzeiten im Sommer: Früher Morgen (4-8 Uhr) und später Abend (19-23 Uhr). Tagsüber bei großer Hitze ziehen sich die Karpfen oft in tiefere Bereiche oder unter überhängende Bäume zurück. Nachts bleiben sie aktiv – anders als viele Seenkarpfen schlafen Flusskarpfen nicht, sondern nutzen die Dunkelheit zur Nahrungssuche.

Frühjahr und Herbst: Strömungsarme Bereiche bevorzugen

Im Frühjahr (März bis Mai) und Herbst (September bis November) sinken die Wassertemperaturen unter 15°C. Jetzt verändert sich das Verhalten der Karpfen: Sie meiden den energiezehrenden Hauptstrom und ziehen in strömungsarme Bereiche wie Altarme, Buhnen und Gumpen. Hier können sie Energie sparen und trotzdem fressen.

Die besten Beißzeiten im Frühjahr/Herbst: Mittags zwischen 11 und 15 Uhr, wenn sich das Wasser durch die Sonne etwas erwärmt. Die Karpfen werden aktiver und gehen auf Nahrungssuche. Morgens und abends ist es oft zu kalt – die Fische sind träge und fressen nur sporadisch.

Winter: Bessere Chancen als im See

Während Karpfen in Seen im Winter fast komplett aufhören zu fressen, hast du im Fluss deutlich bessere Chancen. Warum? Flusskarpfen müssen sich bewegen – die Strömung zwingt sie dazu. Und wer sich bewegt, verbraucht Energie. Wer Energie verbraucht, muss fressen. Klar, die Bisse werden seltener und die Fische sind vorsichtiger. Aber wenn du in tiefen Gumpen oder strömungsgeschützten Bereichen angelst, kannst du auch im Dezember oder Januar einen Karpfen landen.

Die beste Winterstrategie: Reduziertes Anfüttern (nur Boilies alle 2 Tage), lange Wartezeiten einplanen, tiefe Bereiche befischen. Und vor allem: Geduld haben. Ein Biss pro Tag ist im Winter am Fluss schon ein Erfolg.

Häufige Fragen zum Karpfenangeln an der Aller

Die besten Köder für Flusskarpfen in der Aller sind Pellets und große Boilies ab 22 mm. Pellets sind öl- und eiweißhaltig und decken den erhöhten Energiebedarf der ständig gegen die Strömung schwimmenden Karpfen. Boilies ab 22 mm schützen vor Wollhandkrabben, die kleinere Köder zerrupfen. Besonders erfolgreich sind Pop-Ups am Ronnie Rig in ausgewaschenen Farben wie Pink – sie schweben über dem Grund und werden von den Karpfen sofort entdeckt. Mais funktioniert gut zum Anfüttern und Gewöhnen der Fische, sollte aber später durch Boilies ersetzt werden, um gezielt kapitale Karpfen zu fangen.

Die Schleuse Marklendorf gilt als absoluter Top-Spot an der Aller. Das strömungsberuhigte Becken vor und hinter der Schleuse zieht Karpfen magisch an. Weitere erfolgversprechende Stellen sind Altarme (kaum Strömung, klares Wasser), strömungsberuhigte Bereiche hinter Buhnen und Inseln, sowie Gumpen (tiefe Löcher im Flussbett). Im Sommer lohnt sich auch der Hauptstrom mit Muschelbänken – besonders an Bootsanlegern mit Ketten. Bei Hochwasser weiche in flache Uferbereiche und kleine Einbuchtungen aus, wo die Karpfen Schutz vor der starken Strömung suchen.

Für die Aller brauchst du eine robuste Flusskarpfen-Montage: Hauptschnur mindestens 0,35 mm (besser 0,40 mm), steifes Vorfach aus 0,45 mm Fluorocarbon (25-30 cm lang) und ein flaches, klumpiges Blei wie Grippa-Blei oder Triangle-Lead (80-150 g je nach Strömung). Das steife Vorfach verhindert Verwicklungen, das flache Blei hält am Grund. Montiere das Blei immer mit Mini-Reißleine, damit du es bei Hängern opfern kannst, ohne den Fisch zu verlieren. Für Pop-Ups sind Ronnie Rigs oder Chod Rigs ideal.

Die beste Zeit ist der Sommer (Juni bis August), wenn die Wassertemperaturen zwischen 18-22°C liegen. Jetzt sind die Karpfen am aktivsten und fressen aggressiv im sauerstoffreichen Hauptstrom. Die besten Beißzeiten: früher Morgen (4-8 Uhr) und später Abend (19-23 Uhr). Im Frühjahr und Herbst bevorzugen Karpfen strömungsarme Bereiche – angle mittags (11-15 Uhr), wenn sich das Wasser erwärmt. Selbst im Winter hast du im Fluss bessere Chancen als im See, da sich Flusskarpfen durch die Strömung bewegen müssen und deshalb weiter fressen.

Die goldene Regel: Füttere immer flussaufwärts deines Angelplatzes! Die Strömung treibt das Futter automatisch zu deinen Montagen. Je nach Strömung wirfst du 5-20 Meter oberhalb ein. Bevorzuge strömungsberuhigte Bereiche wie Altarme oder Buhnen – dort bleibt das Futter liegen und sammelt sich. Im Sommer fütterst du großzügig (2-3 kg Pellets pro Session), im Herbst/Winter drastisch reduzieren (nur Boilies alle 2 Tage). Nutze Pellets und Partikel für energiehungrige Flusskarpfen. Teste mit Mais-Körnern, wo dein Futter landet, bevor du große Mengen einbringst.

Ja, du brauchst einen gültigen Fischereischein (Angelschein) für Niedersachsen sowie eine Angelkarte für die Aller. Die Angelkarten werden meist von lokalen Angelvereinen wie dem ASV Gifhorn oder ASV Winsen ausgegeben. Es gibt Tageskarten, Wochenkarten und Jahreskarten. Informiere dich vor Ort beim zuständigen Verein über die aktuellen Preise und Ausgabestellen. Beachte auch die Schonzeiten und Mindestmaße für Karpfen in Niedersachsen – diese können je nach Region variieren.

Bei Hochwasser ist die Hauptströmung viel zu stark zum Angeln. Die Karpfen ziehen sich in kleine Einbuchtungen und flache Uferbereiche zurück, wo die Strömung sie nicht permanent fordert. Suche strömungsgeschützte Taschen, überschwemmte Wiesen oder Altarme. Nutze schwere Bleie (150 g+) und extrem robustes Tackle, um überhaupt Halt zu finden. Reduziere das Anfüttern drastisch – bei Hochwasser wird eh alles weggespült. Konzentriere dich auf wenige, große Boilies direkt am Haken. Oft sind die Karpfen bei Hochwasser weniger vorsichtig und beißen aggressiver.

Ob Nachtangeln erlaubt ist, hängt vom jeweiligen Gewässerabschnitt ab. In vielen Bereichen der Aller ist Nachtangeln grundsätzlich gestattet, aber nicht überall. Checke vor deiner Session die Regeln des zuständigen Angelvereins oder der Angelkarte. Nachts sind Flusskarpfen oft besonders aktiv – sie nutzen die Dunkelheit zur Nahrungssuche und sind weniger vorsichtig. Die besten Nachtbisse kommen meist in den ersten 2-3 Stunden nach Einbruch der Dunkelheit. Nutze Bissanzeiger mit Beleuchtung und stelle sicher, dass du eine Stirnlampe dabei hast.

Fazit: Flusskarpfen sind eine eigene Liga

Karpfenangeln an der Aller ist komplett anders als im See – und genau das macht es so spannend. Die nomadischen Flusskarpfen zwingen dich, aktiv zu denken, deine Spots ständig zu wechseln und die Strömung als Verbündeten zu nutzen. Wenn du die Basics beherrschst – robuste Montagen, energiereiche Köder, strömungsberuhigte Spots – wirst du mit kampfstarken Karpfen belohnt, die jede Minute Drill wert sind.

Die drei wichtigsten Tipps zum Schluss:

  • Füttere immer flussaufwärts – lass die Strömung für dich arbeiten
  • Nutze große Boilies ab 22 mm – schützt vor Krabben und filtert Weißfische aus
  • Suche strömungsberuhigte Bereiche – Schleuse Marklendorf, Altarme, Buhnen

Die Aller bietet dir auf vielen Kilometern erstklassige Bedingungen für Flusskarpfen. Von Celle bis zur Mündung in die Weser findest du unzählige Spots, die nur darauf warten, von dir entdeckt zu werden. Pack dein robustes Tackle, eine Handvoll große Boilies und die Geduld eines echten Karpfenangers ein – dann steht deinem ersten Aller-Karpfen nichts mehr im Weg.