Nymphe richtig fischen
Die Königsdisziplin des Fliegenfischens meistern: Mit Nymphen fängst du Forellen und Äschen das ganze Jahr über – unabhängig von Insektenschlupf und Tageszeit

Die Königsdisziplin des Fliegenfischens meistern: Mit Nymphen fängst du Forellen und Äschen das ganze Jahr über – unabhängig von Insektenschlupf und Tageszeit
Während Trockenfliegen-Angler oft vergeblich auf steigenden Fisch warten, fangen erfahrene Nymphenfischer konstant. Der Grund ist einfach: Forellen und Äschen nehmen etwa 90% ihrer Nahrung unterhalb der Wasseroberfläche auf. Nymphen imitieren genau diese Nahrung – die Larvenstadien von Eintagsfliegen, Köcherfliegen und Steinfliegen, die am Gewässergrund leben.
Das Nymphenfischen gilt als Königsdisziplin des Fliegenfischens, denn es erfordert höchste Konzentration und Beobachtungsgabe. Der große Vorteil: Es funktioniert unabhängig von Jahreszeit, Tageszeit oder Insektenschlupf. Wenn du die Grundtechniken beherrschst, wirst du deutlich mehr Fische fangen als mit der Trockenfliege allein.
Nymphen sind künstliche Fliegen, die Insektenlarven und -puppen imitieren. Im Gegensatz zu Trockenfliegen schwimmen sie nicht an der Oberfläche, sondern werden unter Wasser präsentiert – meist dicht am Grund, wo sich die echten Nymphen aufhalten.
Die wichtigsten imitierten Insektengruppen:
Studien zeigen: 90% der Nahrungsaufnahme von Forellen erfolgt unter Wasser. Wenn Fische nicht an der Oberfläche steigen, heißt das nicht, dass sie nicht fressen – sie nehmen einfach Nymphen am Grund auf. Mit der Nymphe hast du daher zu jeder Tages- und Jahreszeit Chancen auf Fisch.
Nymphen unterscheiden sich vor allem durch ihre Beschwerung, die bestimmt, wie schnell sie zum Grund sinken:
Die klassische beschwerte Nymphe mit einer Messingperle am Kopf. Sie sinkt zügig ab und ist ideal für mittlere Wassertiefen. Für Anfänger die beste Wahl, da sie einfach zu fischen ist.
Mit Wolframperlen beschwert, die deutlich dichter als Messing sind. Diese Nymphen sinken sehr schnell ab und sind ideal für tiefe Pools und starke Strömung. Besonders beim Euro-Nymphing unverzichtbar.
Klassische Muster ohne Perle. Sie sinken langsamer und imitieren aufsteigende Nymphen kurz vor dem Schlupf. Werden oft als Springer (zweite Fliege) hinter einer beschwerteren Nymphe gefischt.
Die Pheasant Tail Nymphe wurde ca. 1930 von Frank Sawyer entwickelt und ist bis heute das erfolgreichste Nymphenmuster weltweit. Sie besteht aus nur drei Materialien: Haken, Fasanschwanzfibern und Kupferdraht.
Empfohlene Hakengrößen: #12 bis #18. Größe #14 ist der Allrounder für Forellen.
| Eigenschaft | Am vielseitigsten Goldkopfnymphe Für Einsteiger | Tungsten-Nymphe Für Profis | Unbeschwerte Nymphe Spezialist |
|---|---|---|---|
Sinkgeschwindigkeit | Mittel | Sehr schnell | Langsam |
Anfängerfreundlich | |||
Tiefe Gewässer | |||
Starke Strömung | |||
Als Springer geeignet | |||
Preis | € | €€ | € |
Nymphen funktionieren für alle Salmoniden (lachsartige Fische), aber besonders effektiv sind sie bei:
Der klassische Zielfisch fürs Nymphenfischen. Forellen nehmen etwa 90% ihrer Nahrung unter Wasser auf – vor allem Nymphen von Eintagsfliegen, Köcherfliegen und Steinfliegen. Mit der richtigen Präsentation am Grund sind Forellen fast das ganze Jahr über mit Nymphen zu fangen.
Äschen sind absolute Nymphen-Spezialisten und nehmen noch seltener Trockenfliegen als Forellen. Sie leben bevorzugt in schnell fließenden, sauerstoffreichen Gewässern und ernähren sich hauptsächlich von Flohkrebsen (Gammarus) und Nymphen.
Die Präsentation der Nymphe entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Es gibt verschiedene Techniken, die sich in Schnurführung, Wurftechnik und Bisserkennung unterscheiden.
Die moderne und effektivste Technik für fortgeschrittene Nymphenfischer. Der Name 'Euro-Nymphing' stammt von Amerikanern und vereint verschiedene europäische Techniken (Czech Nymphing, French Nymphing, Polish Nymphing).
Vorteile: Höchste Fangquote, präzise Bisserkennung, funktioniert in allen Strömungsverhältnissen. Nachteil: Hohe Konzentration erforderlich, erfordert Übung.
Eine Variante des Euro-Nymphing, die in den schnell fließenden tschechischen Gebirgsflüssen entwickelt wurde. Die Technik verwendet sehr kurze Würfe stromauf und lässt die Nymphe auf sich zutreiben.
Ideal für: Schnelle, tiefe Strömungen mit steinigem Grund. Besonders effektiv für Äschen in Gebirgsflüssen.
Die traditionelle und anfängerfreundlichste Methode. Ein Bissanzeiger (Indicator) wird am Vorfach befestigt und zeigt durch seine Bewegung Bisse an.
Tipp für Anfänger: Starte mit dieser Methode! Fische stromab mit gespannter Schnur – die Bisserkennung ist erheblich einfacher als beim Euro-Nymphing.
Beim Duo-System werden zwei Nymphen hintereinander gefischt. Die vordere (Ankerfliege) ist schwerer und zieht die hintere (Springer) zum Grund.
Wichtig: In manchen Gewässern sind Doppelmontagen verboten – Gewässerordnung prüfen!
Der häufigste Fehler beim Nymphenfischen: Zu viel Schnur auf dem Wasser. In schnellen Strömungen entstehen unterschiedliche Geschwindigkeiten, die Schnur bildet einen Bauch (Drag) und die Nymphe driftet unnatürlich. Faustregel: Je schneller die Strömung, desto weniger Schnur ausbringen – maximal 5-8m bei starker Strömung.
Während du fürs klassische Nymphenfischen meist mit deiner normalen Fliegenrute auskommst, erfordert Euro-Nymphing spezialisierte Ausrüstung.
Einfache Fliegenrolle ausreichend. Wichtig: Gute Bremse für größere Forellen, Kapazität für 50-100m Backing. Bei kleineren Bächen genügt eine leichte Rolle.
Foam- oder Garn-Indicators für klassisches Nymphenfischen. Größe an Wassertiefe anpassen.
Verschiedene Größen zum Beschweren. 20cm vor der Nymphe anbringen wenn sie nicht tief genug läuft.
Gut organisierte Box mit Nymphen in verschiedenen Größen (#12-18) und Gewichten.
Für Duo-Nymphen-Systeme, verhindert Verdrallung bei zwei Fliegen.
Gummiertes Netz schont die Schleimhaut der Fische beim Landen.
Unverzichtbar um ins Wasser zu sehen, Fische zu orten und Indicator besser zu erkennen.
Bisse beim Nymphenfischen zu erkennen ist die größte Herausforderung für Einsteiger. Während beim Euro-Nymphing jeder Biss direkt in der Rutenspitze spürbar ist, helfen beim klassischen Nymphenfischen Bissanzeiger (Strike Indicators) dabei, auch feinste Bisse zu sehen.
Anhieb setzen wenn:
Faustregel: Bei Zweifeln anhieben! Lieber 10 Fehlanhiebe als einen verpassten Fisch.
Die natürliche Drift ist das A und O beim Nymphenfischen. Deine Nymphe muss exakt mit der Strömungsgeschwindigkeit treiben, ohne von der Schnur beschleunigt oder gebremst zu werden (Dead Drift). Beim Euro-Nymphing führst du die Rute mit der Strömung mit und hältst dabei permanenten Kontakt zur Nymphe – spürst jeden Stein, jede Veränderung.
Immer dann, wenn Fische nicht zur Trockenfliege steigen oder nicht an der Oberfläche aktiv sind. Forellen nehmen etwa 90% ihrer Nahrung unter Wasser auf. Mit der Nymphe hast du zu jeder Jahres- und Tageszeit Chancen auf Fisch, völlig unabhängig vom Insektenschlupf. Besonders effektiv ist die Nymphe im Frühjahr und Herbst, wenn wenig Insekten schlüpfen, sowie im Winter bei Äschen.
Für Einsteiger sind Goldkopfnymphen ideal, da sie durch die Messingperle automatisch zum Grund sinken. Die Pheasant Tail Nymphe (PTN) und die Hare's Ear Nymphe sind universelle Muster, die einfach zu fischen und sehr erfolgreich sind. Starte mit je 3-4 Stück in den Größen #12, #14 und #16 – damit deckst du 90% aller Situationen ab. Diese drei Mustertypen imitieren fast alle wichtigen Nymphen in heimischen Gewässern.
Nymphen imitieren speziell Insektenlarven und -puppen, die am Gewässergrund leben, während Nassfliegen eher erwachsene Insekten unter Wasser darstellen (z.B. ertrunkene oder eierlegende Insekten). Nymphen werden meist bodennah gefischt und imitieren die natürlichen Bewegungen von Larven, Nassfliegen werden oft im Mittelwasser gefischt und können aktiver geführt werden. Die Präsentation ist also unterschiedlich: Nymphen meist Dead Drift am Grund, Nassfliegen aktiv im Mittelwasser.
Beim klassischen Nymphenfischen mit Bissanzeiger (Indicator) zeigen sich Bisse durch Stehenbleiben, Rucken oder Ziehen des Anzeigers gegen die Strömung. Beim Euro-Nymphing spürst du Bisse direkt in der Rutenspitze durch die gestreckte Schnurführung. Der Kontakt ist so direkt, dass du jeden Stein am Grund fühlst – ein Biss fühlt sich wie ein kurzer Ruck oder Stopp an. Wichtig: Bei Zweifeln immer anhieben! Lieber 10 Fehlanhiebe als ein verpasster Fisch.
Ja, Euro-Nymphing erfordert spezialisierte Ausrüstung: Lange Ruten bis 11 Fuß (3,3m) in Schnurklasse #2-#4 für bessere Schnurkontrolle, sehr lange Vorfächer von 4,5-10m mit fluofarbenem Indicator und Tungsten-Nymphen mit spärlichem Bindematerial für schnelles Absinken. Fluorocarbon-Vorfächer sind vorteilhaft wegen besserer Sinkgeschwindigkeit. Klassisches Nymphenfischen funktioniert dagegen mit normaler Fliegenausrüstung (Rute Klasse #3-5, 9 Fuß). Für Anfänger: Starte mit klassischem Setup, steige später auf Euro-Nymphing um.
Die Nymphe sollte dicht am Grund laufen und diesen gelegentlich streifen – dort nehmen Forellen und Äschen die meiste Nahrung auf. Als Faustregel gilt: Der Bissanzeiger sollte 1,5-3x so weit von der Nymphe entfernt sein wie die Wassertiefe. Wenn deine Nymphe ständig am Grund hängenbleibt, ist sie zu tief eingestellt. Wenn du gar keine Hänger hast, läuft sie zu hoch – dann ein kleines Schrotblei 20cm vor der Nymphe auf das Vorfach klemmen. Die richtige Tiefe findest du durch Experimentieren.
Ja, das Duo-Nymphen-System ist sehr effektiv: Eine schwere Nymphe (Ankerfliege) als erste Fliege, dahinter 30-50cm eine leichtere Nymphe (Springer). So befischst du zwei Wassertiefen gleichzeitig und kannst zwei verschiedene Muster testen. Oft beißen Fische auf den Springer. Wichtig: In manchen Gewässern sind Doppelmontagen verboten – prüfe vorher die Gewässerordnung! Die Verbindung erfolgt entweder über einen Seitenzweig am Hakenbogen der Ankerfliege oder über ein Tippet am Vorfach.
Die gängigsten Hakengrößen für Nymphen liegen zwischen #12 und #18. Für Forellen sind #14 und #16 die Allrounder, die fast immer funktionieren. Größere Nymphen #10-#12 für Steinfliegen-Imitationen oder große Forellen. Für Äschen oft kleinere Größen #16-#18, besonders bei Czech Nymphs. Die Hakengröße sollte zum imitierten Insekt passen: Je kleiner das Gewässer und je scheuer die Fische, desto kleiner die Nymphe. Starte mit #14 – das ist die vielseitigste Größe.
Nymphenfischen ist die vielseitigste und erfolgreichste Methode fürs Fliegenfischen. Während Trockenfliegen-Angler oft auf Insektenschlupf und steigende Fische angewiesen sind, fängst du mit Nymphen das ganze Jahr über – in jedem Bach, Fluss oder See, zu jeder Tageszeit.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in drei Bereichen: Die richtigen Muster (Pheasant Tail, Hare's Ear, Czech Nymphs), die richtige Präsentation (Dead Drift am Grund, natürliche Drift) und gute Bisserkennung (Bissanzeiger oder direkte Schnurführung).
Die wichtigsten Erkenntnisse:
Nymphenfischen erfordert Übung, Konzentration und Beobachtungsgabe – aber die Mühe lohnt sich. Sobald du die Grundtechniken beherrschst, wirst du deutlich mehr Fische fangen als mit der Trockenfliege allein. Starte mit der klassischen Indicator-Methode, perfektioniere deine Drift und wage dich dann an Euro-Nymphing – die Königsdisziplin des Fliegenfischens.
Jetzt bist du bereit für deine ersten Erfolge mit der Nymphe. Tight lines!
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