Aal Angeln am Ammersee
Die Herausforderung für geduldige Nachtangler in oberbayerischen Gewässern

Die Herausforderung für geduldige Nachtangler in oberbayerischen Gewässern
Wenn du in einer warmen Sommernacht am Ammersee sitzt, deine Ruten auslegst und auf den Biss eines Aals wartest, solltest du eines wissen: Du versuchst gerade, einen der seltensten Fische dieses Sees zu fangen. Der Aal ist aus dem Ammersee nahezu verschwunden.
Das war nicht immer so. Im Jahr 2010 gab es am Ammersee noch ein absolutes Aal-Jahr mit vielen Fängen. Seither hat sich die Situation dramatisch verschlechtert. Der Bestand des Europäischen Aals ist seit den 1970er Jahren um etwa 98 Prozent zurückgegangen (Quelle: ICES). Laut IUCN gilt die Art heute als vom Aussterben bedroht.
Bedeutet das, du solltest es gar nicht erst versuchen? Nein. Es bedeutet, dass du mit realistischen Erwartungen ans Wasser gehst, die wenigen Hotspots kennst und deine Technik perfektionierst. Dieser Guide zeigt dir, wie du deine Chancen auf einen der letzten Aale des Ammersees maximierst.
Wichtiger Hinweis: Die Aalbestände in bayerischen Gewässern sind stark gefährdet. Informiere dich vor dem Angeln über die aktuell geltenden Schonzeiten und Mindestmaße für Aale in deinem Bundesland.
Der Ammersee bietet mit seinen 46,6 Quadratkilometern Fläche und bis zu 81 Metern Tiefe unzählige potenzielle Angelplätze. Doch wenn du gezielt auf die wenigen verbliebenen Aale angeln willst, solltest du deine Energie auf die erfolgversprechendsten Stellen konzentrieren.
Historisch waren Breitbrunn, Buch und die Herrschinger Bucht als Aalstellen bekannt. Diese Bereiche bieten die Kombination aus ausreichender Tiefe, Strukturreichtum und ruhigen Buchten, die Aale bevorzugen. Besonders ab dem Spätsommer steigen hier die Chancen.
Das Ostufer zwischen Wartaweil und Aidenried bietet ruhige Buchten fernab des Bootsverkehrs. Wenn du ungestört angeln möchtest und bereit bist, auch mal eine Nacht ohne Biss zu akzeptieren, findest du hier ideale Bedingungen für das geduldige Nachtangeln.
Aale sind scheue Einzelgänger, die tagsüber in Verstecken ruhen und nachts auf Beutezug gehen. Am Ammersee findest du sie vor allem dort, wo es Deckung und Nahrung gibt:
Der Ammersee ist bekannt dafür, extrem fischreich, aber schwer zu beangeln zu sein. Die enorme Größe und Tiefe bedeutet: Wenn du einfach irgendwo deine Ruten auslegst, sind deine Chancen minimal. Strukturen sind der Schlüssel.
Nutze Google Earth oder Seekarten, um flache Buchten, Schilfgürtel und Stegbereiche vorab zu identifizieren. Markiere dir 3-4 Spots und probiere sie nacheinander aus. Ein erfolgloser Spot bedeutet nicht, dass du schlecht angelst – vielleicht steht einfach gerade kein Aal dort.
In stehenden Gewässern wie dem Ammersee ist die Laufbleimontage die bewährteste Methode. Der Grund ist einfach: Aale sind misstrauisch. Wenn sie beim Anknabbern des Köders sofort Widerstand spüren, lassen sie los. Mit einer Laufbleimontage gleitet die Schnur frei durch das Blei – der Aal merkt nichts.
Aufbau der Montage:
Der entscheidende Trick: Nach dem Auswerfen öffnest du den Rollenbügel oder aktivierst den Freilauf. So kann der Aal den Köder nehmen und davonschwimmen, ohne Widerstand zu spüren. Erst wenn er den Köder sicher im Maul hat, schließt du den Bügel und setzt den Anhieb.
Der Ammersee hat stellenweise weichen, schlammigen Untergrund. Wenn dein Köder darin versinkt, wird ihn kein Aal finden. Die Lösung:
Teste die Tiefe mit einem Lotblei, bevor du deine Montage auswirfst. So weißt du, ob du Auftriebshilfen brauchst oder nicht.
Wenn du dich fragst, welcher Köder am Ammersee am besten funktioniert, lautet die Antwort: Tauwürmer. Sie sind der Klassiker und fangen die meisten Aale – nicht nur am Ammersee, sondern in fast allen Gewässern.
Der Grund ist einfach: Tauwürmer verströmen starke Duftstoffe, bewegen sich verführerisch und sind eine natürliche Beute. Aale verlassen sich stark auf ihren Geruchssinn, besonders in der Dunkelheit. Ein frischer, lebendiger Tauwurm ist für sie unwiderstehlich.
Köderführung:
Wichtig: Verwende nur frische, lebendige Würmer. Aale inspizieren ihre Beute gründlich – ein toter, schlaffer Wurm wird oft ignoriert.
Wenn du gezielt auf dicke Aale angelst, sind kleine Köderfische die bessere Wahl. Lauben, Grundeln oder Stinte in der Größe von 6-10 cm sind ideal. Größere Aale fressen bevorzugt Fische – sie liefern mehr Energie als Würmer.
Ein wichtiger Hinweis: Die Verwendung lebender Köderfische ist in Deutschland nach dem Tierschutzgesetz verboten. Verwende ausschließlich tote Köderfische. Diese sind beim Aalangeln genauso effektiv, da Aale Aasfresser sind und tote Beute problemlos annehmen.
Montage mit Köderfisch:
Köderfische funktionieren am besten im Spätsommer und Herbst, wenn die Aale sich Fettreserven für den Winter anfressen. In dieser Phase sind sie aggressiver und nehmen größere Happen.
Alternative Köder: Auch Dendrobena-Würmer, Maden und Fischfetzen können funktionieren. Wenn Tauwürmer am ersten Abend nicht laufen, probiere am nächsten Tag etwas Neues. Aale können wählerisch sein.
Aale sind nachtaktive Jäger. Tagsüber verkriechen sie sich in Verstecken und werden erst in der Dämmerung aktiv. Wenn du am Ammersee erfolgreich sein willst, musst du bereit sein, die Nacht am Wasser zu verbringen.
Die beste Zeit beginnt zwei bis drei Stunden nach Sonnenuntergang und dauert bis zur Morgendämmerung. Die absoluten Topzeiten sind:
Am Ammersee gelten laut lokalen Erfahrungsberichten die Uhrzeiten 5:00 bis 8:00 Uhr morgens und 20:00 bis 23:00 Uhr abends als besonders erfolgreich. Tagsüber passiert oft gar nichts.
Die Saison für Aalangeln am Ammersee erstreckt sich von Mai bis Oktober, wobei die Monate Mai, Juni und August bis September die besten Chancen bieten.
Das Wetter spielt eine entscheidende Rolle:
Wenn du nur begrenzt Zeit hast: Konzentriere dich auf warme Sommernächte nach Regenschauern. Das sind die Nächte, in denen deine Chancen am höchsten sind.
Verfolge die Wettervorhersage und plane deine Aalansitze gezielt an warmen, schwülen Abenden mit leichtem Regen. Diese Bedingungen sind Gold wert – und oft produktiver als eine Woche mit perfektem Sonnenschein.
Aalangeln ist ein Geduldsspiel, das oft die ganze Nacht dauert. Deine Ausrüstung muss nicht nur zum Fischen passen, sondern auch für stundenlange Ansitze im Dunkeln geeignet sein.
Eine Aalrute sollte eine Länge von 2,70 bis 3,30 Metern und ein Wurfgewicht von 40-80 Gramm haben. Am Ammersee angelst du oft auf größere Distanzen – eine längere Rute hilft beim Werfen. Die Aktion sollte mittelschwer bis schwer sein, um sichere Anschläge über die Distanz zu setzen.
Bei der Rolle greifst du zu einer Stationärrolle der Größe 3000-4000. Ein Freilaufmechanismus ist von Vorteil, aber nicht zwingend nötig – du kannst auch den Rollenbügel öffnen. Wichtig ist eine solide Bremse, die bei einem plötzlichen Biss nicht versagt.
Als Hauptschnur verwendest du monofile Schnur mit 0,35-0,40 mm Durchmesser. Keine geflochtene Schnur – Aale können diese mit ihren scharfen Zähnen leichter durchtrennen. Mono dehnt sich zudem und puffert ruckartige Fluchten ab.
In der Dunkelheit sind elektronische Bissanzeiger unverzichtbar. Sie geben ein akustisches Signal und leuchten, wenn die Schnur abgezogen wird. Moderne Modelle haben verschiedene Lautstärken und Töne – so kannst du mehrere Ruten parallel beangeln und trotzdem entspannt warten.
Eine Stirnlampe mit rotem Licht ist perfekt fürs Aalangeln. Rotes Licht stört die Nachtsicht nicht und schreckt Fische weniger ab als weißes Licht. Du brauchst sie zum Anködern, für Montagearbeiten und beim Drill.
An warmen Sommernächten über 15°C sind Aale am aktivsten. Jetzt kannst du auch in flacheren Bereichen mit 2-4 Metern Tiefe fischen.
Strategie:
Vorsicht: Auch bei idealen Bedingungen können die Bisse am Ammersee ausbleiben. Der geringe Bestand bedeutet, dass selbst perfekte Nächte keinen Erfolg garantieren.
Wenn dein Bissanzeiger in der Nacht losgeht, schießt das Adrenalin durch deinen Körper. Jetzt bloß nicht hektisch reagieren – genau das führt dazu, dass du den Fisch verlierst.
Aale nehmen den Köder nicht wie Hechte oder Zander. Sie inspizieren ihn gründlich, knabbern daran und schlucken ihn langsam. In Stillgewässern wie dem Ammersee dauert dieser Prozess länger als in Fließgewässern.
Die richtige Vorgehensweise:
Der häufigste Fehler: Zu früh anschlagen. Wenn du beim ersten Zucken der Schnur bereits schlägst, ziehst du dem Aal den Köder aus dem Maul. Geduld ist hier alles.
Achtung beim Drill: Aale haben extrem schleimige Haut und winden sich wie verrückt. Verwende unbedingt einen Kescher – mit bloßen Händen aus dem Wasser zu heben funktioniert nicht. Greife den Aal mit einem feuchten Tuch, um ihn festzuhalten.
Die ehrliche Antwort: Der Aalbestand am Ammersee ist heute stark zurückgegangen. Während 2010 noch ein absolutes Aal-Jahr war, sind Fänge heute selten geworden. Dennoch wird der Aal als vorkommende Fischart gelistet. Wenn du bereit bist, viel Zeit zu investieren und auch Nächte ohne Biss zu akzeptieren, kannst du mit den richtigen Stellen und Methoden trotzdem Chancen haben. Es ist eher etwas für geduldige Spezialisten als für Anfänger.
Historisch waren Breitbrunn, Buch und die Herrschinger Bucht gute Aalstellen. Allgemein sind Seerosenfelder, Schilfgürtel, Dampferstege mit Kanten und ruhige Buchten am Ostufer (Wartaweil, Aidenried) aussichtsreich. Suche Strukturen wie versunkene Bäume oder Übergänge zwischen flachem und tiefem Wasser – dort jagen Aale nachts.
Eine Laufbleimontage ist Standard in stehenden Gewässern. Aufbau: Hauptschnur 0,35-0,40 mm mono, Laufblei 30-50g, Gummiperle, Wirbel, Vorfach 60-80 cm (0,28-0,32 mm), Haken Größe 4-8. Wichtig: Der Aal darf beim Köderannahme keinen Widerstand spüren – Rollenbügel öffnen oder Freilaufrolle verwenden. Bei schlammigem Grund den Köder mit Schaumstoffperlen auftreiben.
Tauwürmer sind der Klassiker und fangen die meisten Aale. Sie verströmen starke Duftstoffe und bewegen sich natürlich. Für kapitale Exemplare sind kleine Köderfische (Lauben, Grundeln, Stinte) in 6-10 cm Länge empfehlenswert – aber nur tot, da lebende Köderfische in Deutschland verboten sind. Wichtig: Köder klein und schlank halten, Aale inspizieren ihre Beute in Stillgewässern gründlicher als in Flüssen.
Aale sind nachtaktiv – die besten Zeiten sind 22:00 bis 01:00 Uhr und 03:00 bis 06:00 Uhr. Am Ammersee haben sich zudem 5:00-8:00 Uhr morgens und 20:00-23:00 Uhr abends als erfolgreich erwiesen. Beste Monate sind Mai, Juni und August bis September. Warme Nächte über 15°C mit leichtem Regen oder Wetterumschwung sind ideal. Bei unter 10°C lohnt sich der Aufwand kaum noch.
Ja, du brauchst einen gültigen Fischereischein und eine Angelkarte für den Ammersee. Die Voraussetzungen für den Angelschein unterscheiden sich je nach Bundesland – mehr Infos findest du in unserem Angelschein-Ratgeber. Angelkarten für den Ammersee erhältst du bei lokalen Vereinen oder Angelfachgeschäften.
Aale sind extrem schleimig und winden sich kräftig. Verwende einen Kescher zur Landung und ein feuchtes Tuch zum Festhalten. Lege den Fisch auf eine Abhakmatte. Zum Hakenlösen brauchst du eine kleine Zange oder einen Hakenlöser, da Aale oft tief schlucken. Wichtig: Prüfe Mindestmaß und Schonzeit – untermaßige Fische sofort zurücksetzen. Aale sind stark gefährdet, behandle jeden Fang mit Respekt.
Theoretisch ja, praktisch macht es wenig Sinn. Aale sind nachtaktive Jäger und verkriechen sich tagsüber in Verstecken. Am Ammersee ist tagsüber laut Erfahrungsberichten oft gar nichts los. Wenn du nur wenig Zeit hast, plane lieber einen gezielten Nachtansatz als einen ganzen Tag am Wasser zu verbringen.
Es wäre falsch, diesen Guide zu beenden ohne die Realität klar anzusprechen: Der Aal ist am Ammersee nahezu verschwunden. Was in den 1970er und 1980er Jahren noch ein häufiger Fang war, ist heute zur absoluten Ausnahme geworden.
Der Bestand des Europäischen Aals ist seit den 1970er Jahren um etwa 98 Prozent zurückgegangen (Quelle: ICES). Die Gründe sind vielfältig: Überfischung, Lebensraumverlust, Wasserkraftwerke und Parasitenbefall haben die Art an den Rand der Ausrottung gebracht. Laut IUCN gilt der Europäische Aal heute als vom Aussterben bedroht.
Am Ammersee zeigt sich diese Entwicklung besonders deutlich. Während 2010 noch von einem absoluten Aal-Jahr berichtet wurde, sind Fänge heute extrem selten. Auch die beste Taktik, die perfekte Montage und die idealsten Bedingungen garantieren dir keinen Erfolg.
Bedeutet das, du solltest es nicht versuchen? Nein. Aber du solltest mit realistischen Erwartungen ans Wasser gehen. Aalangeln am Ammersee ist heute eine Herausforderung für geduldige Spezialisten, nicht für Angler, die schnelle Erfolge suchen.
Hinweis zum Artenschutz: Aufgrund der kritischen Bestandssituation solltest du jeden gefangenen Aal mit Respekt behandeln. Überlege dir, ob du ihn entnimmst oder zurücksetzt. Catch & Release ist bei Aalen eine Überlegung wert – die Art braucht jedes überlebende Exemplar.
Aalangeln am Ammersee ist heute kein einfaches Unterfangen. Die Bestände sind stark zurückgegangen, die Fänge selten geworden. Doch genau das macht es für viele Angler umso reizvoller.
Es geht nicht mehr darum, in jeder Nacht einen Aal zu fangen. Es geht um die Herausforderung, einen der letzten Räuber dieses Sees zu überlisten. Es geht um die Nächte am Wasser, die Stille, das Warten, die Hoffnung. Und wenn dann tatsächlich der Bissanzeiger losgeht und du einen Aal landest, ist dieser Moment unbezahlbar.
Wenn du es versuchst, tue es mit Respekt. Respekt vor der bedrohten Art, Respekt vor dem Gewässer und Respekt vor der Natur. Mit den richtigen Stellen, der passenden Montage und viel Geduld kannst du deine Chancen maximieren – aber Garantien gibt es nicht.
Und vielleicht ist genau das der Reiz: In einer Zeit, in der so vieles planbar und vorhersehbar ist, bleibt das Aalangeln am Ammersee eines – ein echtes Abenteuer.
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