Hechtangeln am Ammersee
Kapitale Hechte bis 130 cm, kristallklares Wasser und drei endemische Fischarten: Der Ammersee ist Bayerns artenreichster See und eine echte Herausforderung für Hechtangler

Kapitale Hechte bis 130 cm, kristallklares Wasser und drei endemische Fischarten: Der Ammersee ist Bayerns artenreichster See und eine echte Herausforderung für Hechtangler
Wenn du das erste Mal am Ammersee stehst und auf die 46,6 Quadratkilometer Wasserfläche blickst, wird dir klar: Das wird kein einfacher Angeltag. Der drittgrößte See Bayerns ist nicht nur gigantisch groß, sondern mit bis zu 81 Metern Tiefe auch verdammt tief. Aber genau diese Herausforderung macht den Reiz aus.
Der Ammersee gilt offiziell als artenreichster See Bayerns und beherbergt drei Fischarten, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt: den Ammersee-Kaulbarsch, den Ammersee-Tiefensaibling und die Ammersee-Renke. Diese Renken sind nicht nur wissenschaftlich interessant – sie sind auch der Hauptgrund, warum hier kapitale Hechte über 130 cm jagen. Große Beutefische bedeuten große Räuber.
Seit 1970 wurde der Ammersee mit Kläranlagen saniert und gehört heute zu den reinsten Seen Deutschlands. Das kristallklare Wasser hat allerdings auch einen Nachteil: Die Hechte sind extrem vorsichtig geworden. Du musst präzise arbeiten, die richtigen Stellen kennen und vor allem Geduld mitbringen. Dafür wartet am Ende ein Fisch auf dich, den du nie vergessen wirst.
Keine Schonzeit für Hecht! Am Ammersee gibt es keine Schonzeit für Hechte – stattdessen besteht Entnahmepflicht. Jeder gefangene Hecht muss dem Gewässer entnommen werden. Diese Regelung dient der Bestandsregulierung.
Bei 43 Kilometern Uferlänge stellt sich die Frage: Wo zum Teufel soll ich anfangen? Die gute Nachricht: Es gibt bewährte Hotspots, an denen deine Chancen deutlich steigen. Die Herrschinger Bucht ist legendär unter Hechtanglern – nicht ohne Grund.
Hier liegt die tiefste Stelle des gesamten Ammersees. Das Besondere: Die Bucht ist extrem flach und fällt dann plötzlich steil ab. Mit einer Wathose erreichst du Stellen, die vom Ufer aus normalerweise unerreichbar wären. An der Nordseite bei Lochschwab beginnt die Kante direkt beim Kreuz im Wasser – ein markanter Orientierungspunkt.
Warum funktioniert dieser Spot so gut? Hechte nutzen die Kante als Lauerbahn. Sie stehen im tieferen Wasser und schießen nach oben, wenn Beute über die flache Zone zieht. Besonders im Frühjahr nach der Laichzeit jagen hier ausgehungerte Hechte aktiv im Flachwasser.
Wo Frischwasser in den See strömt, konzentriert sich Leben. Der Fischbach-Einlauf verbindet den Ammersee mit einem gut besetzten Nachbargewässer. Im Sommer stehen hier nicht nur Zander und Barsche, sondern auch Hechte und vereinzelt sogar Waller. Der Bereich rund um die Mündung ist besonders in den Morgen- und Abendstunden vielversprechend.
Wenn ein Hecht über 130 cm auf einen Schleppköder einschlägt, spürst du den Schlag durch die gesamte Rute. Das Schleppfischen am Ammersee kann mühsam sein – du fährst stundenlang über den See, suchst Strukturen, variierst Geschwindigkeit und Tiefe. Aber wenn es kracht, weißt du: Das war die Mühe wert.
Du brauchst mindestens zwei, besser drei bis vier Ruten. Schwere Spinnruten mit 50-150g Wurfgewicht sind ideal. Die Rollen sollten große Schnurfassungen haben – du schleppst oft in 30-50 Meter Entfernung hinter dem Boot.
Als Schnur empfiehlt sich geflochtene 0,17-0,20mm mit Fluorocarbon-Vorfach (mindestens 0,40mm, besser 0,50mm). Die Hechte am Ammersee sind vorsichtig – das klare Wasser zwingt dich zu feinen Vorfächern, gleichzeitig müssen sie kapitalen Fischen standhalten.
Zwei Köder haben sich am Ammersee besonders bewährt:
Generell gilt: Wobbler und Gummifische zwischen 15-30cm Länge sind richtig dimensioniert. Die Hechte am Ammersee fressen große Beute – zu kleine Köder werden oft ignoriert.
Das Tempo ist entscheidend: 2,8 bis maximal 4 km/h haben sich als ideal erwiesen. Langsamer macht den Köder träge, schneller verliert er die Lauftiefe. Du musst das Tempo konstant halten – schon kleine Schwankungen verändern die Köderpräsentation.
Der Tiefenbereich zwischen 3 und 6 Metern ist in der wärmeren Jahreszeit am vielversprechendsten. Hier patrouillieren die Hechte entlang der Kanten und lauern auf Renkenschwärme. Im Herbst ziehen sie sich tiefer zurück – dann musst du mit Downriggern oder schweren Bleien arbeiten, um Tiefen von 8-12 Meter zu erreichen.
Wichtig: Der E-Motor darf am Ammersee nur zum Fahren genutzt werden. Beim Angeln selbst muss er aus dem Wasser! Das bedeutet: Boot treiben lassen oder mit Rudern die Position halten – eine zusätzliche Herausforderung bei Wind.
Bootsangeln nur vom 15.04. bis 31.10. erlaubt! Vom 1.12. bis 14.4. darfst du am Ammersee ausschließlich vom Ufer aus fischen. Der E-Motor muss beim Angeln aus dem Wasser – er darf nur zur Fortbewegung genutzt werden.
Kein Boot? Kein Problem – zumindest theoretisch. Das Spinnfischen vom Ufer am Ammersee ist definitiv möglich, aber auch deutlich anspruchsvoller. Bis Juni läuft oft wenig, weil sich die Hechte nach dem Laichen ins Freiwasser zurückziehen. Aber wenn du die richtigen Stellen kennst und zur passenden Zeit am Wasser bist, kannst du sehr gut fangen.
Hechte stehen nicht einfach irgendwo im See. Sie nutzen Unterwasserstrukturen als Lauerbahnen. Worauf du achten musst:
Beim Spinnfischen vom Ufer funktionieren Gummifische mit Jiggen besonders gut, wenn die Hechte grundnah stehen. Die Montage ist simpel: 20-30g Jigkopf je nach Tiefe und Strömung, dazu ein 12-15cm Gummifisch in Natur- oder Schockfarbe.
Die Führung: Auswerfen, auf Grund sinken lassen (Schnur wird locker), dann mit 2-3 schnellen Kurbelumdrehungen anheben und wieder absinken lassen. In der Absinkphase erfolgen 90% der Bisse – die Schnur strafft sich plötzlich oder du spürst einen dumpfen Schlag.
Jerkbaits sind eine weitere Top-Option, vor allem im Herbst. Die aggressive Führung mit Schlägen aus dem Handgelenk triggert Attacken selbst von trägen Fischen. Wähle Modelle zwischen 15-20cm – am Ammersee darfst du ruhig groß fischen.
Timing ist alles. Du kannst die perfekte Stelle und den besten Köder haben – wenn die Hechte nicht aktiv sind, bleibt die Rute stumm. Der Ammersee folgt klaren jahreszeitlichen Mustern, die du kennen musst.
Nach der Laichzeit im März/April sind die Hechte extrem hungrig. Sie haben wochenlang kaum gefressen und stehen jetzt flach im Uferbereich. Die Wassertemperatur steigt, die Futterfische werden aktiv – ideale Bedingungen für kapitale Fänge.
Beste Spots im Frühjahr: Flache Buchten mit Schilfkanten, besonders die Herrschinger Bucht und alle sonnenbeschienenen Uferbereiche. Die Hechte ziehen hier entlang und suchen aktiv nach Beute.
Im Sommer musst du diszipliniert sein: Vor 5 Uhr morgens am Wasser oder abends bis tief in die Nacht. Warum? Bei hohen Wassertemperaturen ziehen sich die Hechte tagsüber in kühlere, tiefere Schichten zurück. Nur in den Dämmerphasen jagen sie aktiv im Flachwasser.
Die Morgenbeißzeit zwischen 4:30 und 7:00 Uhr ist Gold wert. Das Wasser ist noch kühl, Nebel liegt über dem See, die Futterfische ziehen an der Oberfläche – und die Hechte nutzen das aus. Abends läuft es ab etwa 20 Uhr bis zur Dunkelheit.
Der Herbst ist die absolut beste Jahreszeit für Kapitalhechte am Ammersee. Ab September bereiten sich die Fische intensiv auf den Winter vor und fressen sich Reserven an. Sie werden deutlich aggressiver und attackieren auch größere Köder ohne Zögern.
Besonders spannend: Die Hechte folgen jetzt den Renkenschwärmen in tiefere Schichten. Mit dem Echolot kannst du diese Schwärme lokalisieren – wo die Renken sind, sind auch die Hechte nicht weit. Tiefenbereiche von 8-15 Meter werden jetzt hochinteressant.
Vom 1. Dezember bis 14. April ist Bootsangeln verboten – du musst vom Ufer aus ran. Die Hechte stehen jetzt sehr tief und sind träge. Erfolgsaussichten sind deutlich geringer, aber an sonnigen Tagen mit steigenden Temperaturen lohnt sich ein Versuch an tiefen Uferbereichen.
Der Ammersee ist riesig. Ohne Plan suchst du die Nadel im Heuhaufen. Ein modernes Echolot macht den Unterschied zwischen frustrierenden Schneidertagen und gezielten Fängen.
Bevor du das erste Mal rausfährst, besorge dir eine bathymetrische Karte des Ammersees. Diese Tiefenkarten zeigen dir, wo die interessanten Strukturen liegen. Markiere dir vielversprechende Bereiche als Wegpunkte im GPS – das spart dir am Wasser massiv Zeit.
Besonders interessant: Die Tiefenlinien zwischen 4 und 8 Metern, die parallel zum Ufer verlaufen. Hier ziehen Hechte auf ihren Raubzügen entlang. Wenn du diese Linien systematisch abschleppst, erhöhst du deine Chancen enorm.
| Kriterium | Am fängigsten Schleppangeln Mit Boot | Spinnfischen Vom Ufer | Jerkbait-Angeln Vom Ufer |
|---|---|---|---|
Kapitale Hechte (>100cm) | |||
Boot erforderlich | |||
Anfängerfreundlich | |||
Erfolgsrate | Hoch | Mittel | Mittel |
Beste Jahreszeit | Herbst | Frühjahr | Herbst |
Ausrüstungskosten | Hoch | Mittel | Mittel |
Der Herbst ist die absolut beste Jahreszeit für Kapitalhechte am Ammersee. Ab September fressen sich die Fische intensiv Reserven für den Winter an und werden deutlich aggressiver. Sie folgen den Renkenschwärmen in tiefere Schichten (8-15 Meter) und attackieren auch große Köder ohne Zögern.
Das Frühjahr nach der Laichzeit (April/Mai) ist ebenfalls top: Die Hechte sind ausgehungert und stehen flach im Uferbereich. Im Sommer musst du früh morgens (vor 5 Uhr) oder abends bis zur Dunkelheit angeln – tagsüber ziehen sich die Hechte bei hohen Temperaturen in kühlere Tiefen zurück.
Zwei Köder haben sich als besonders fängig erwiesen:
Generell sind Wobbler und Gummifische zwischen 15-30cm richtig dimensioniert. Die Hechte am Ammersee fressen große Beute – zu kleine Köder (unter 12cm) werden oft ignoriert. Auch große Jerkbaits (15-20cm) funktionieren hervorragend, besonders im Herbst.
Ein Boot ist ein großer Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich. Mit dem Boot erreichst du die kapitalen Hechte im Freiwasser und kannst gezielt Kanten, Plateaus und Renkenschwärme anfahren. Das Schleppangeln – die erfolgreichste Methode für wirklich große Fische – funktioniert nur vom Boot aus.
Vom Ufer aus ist Hechtangeln definitiv möglich, aber anspruchsvoller. Die besten Uferstellen sind:
Wichtig: Bootsangeln ist nur vom 15.04. bis 31.10. erlaubt. Vom 1.12. bis 14.4. musst du vom Ufer aus fischen.
Nein, am Ammersee gibt es keine Schonzeit für Hechte. Im Gegenteil: Es besteht Entnahmepflicht. Jeder gefangene Hecht muss dem Gewässer entnommen werden – du darfst ihn nicht zurücksetzen.
Diese Regelung dient der Bestandsregulierung. Der Ammersee hat einen sehr guten Hechtbestand, und die Entnahme soll verhindern, dass die Räuber andere Fischarten zu stark dezimieren. Dokumentiere jeden entnommenen Hecht mit Länge und Gewicht – das wird vom Fischereiverein kontrolliert.
Schleppangeln ist die erfolgreichste Methode für kapitale Hechte über 100cm. Du fährst mit 2,8-4 km/h über den See und schleppst Wobbler oder Gummifische in 3-6 Meter Tiefe (im Herbst tiefer). Das kann mühsam sein – du suchst stundenlang nach fängigen Stellen – aber wenn ein Meterhecht einschlägt, war die Mühe es wert.
Spinnfischen vom Ufer ist die beste Alternative ohne Boot. Gummifische mit Jiggen funktionieren hervorragend, wenn die Hechte grundnah stehen. Auch Jerkbaits triggern aggressive Attacken, vor allem im Herbst.
Wichtig beim Bootsangeln: Der E-Motor muss beim Angeln aus dem Wasser. Er darf nur zur Fortbewegung genutzt werden – beim Fischen selbst lässt du das Boot treiben oder hältst die Position mit Rudern.
Die Tiefe variiert stark nach Jahreszeit und Tageszeit:
Der Tiefenbereich 3-6 Meter ist in der wärmeren Jahreszeit am vielversprechendsten für Schleppangeln. Mit einem Echolot kannst du gezielt Kanten und Plateaus in diesem Bereich suchen – genau dort patrouillieren die Hechte.
Der Ammersee ist kein Anfängergewässer – seien wir ehrlich. Die Größe, Tiefe und Struktur des Sees machen ihn zur Herausforderung selbst für erfahrene Angler. Viele berichten: 'Bis Juni ist vom Ufer aus meist nichts zu holen' und 'Der See ist nicht leicht zu befischen'.
Aber: Wenn du den Dreh raus hast, kannst du sehr gut fangen. Der Hechtbestand ist exzellent, und die Fische werden groß – Kapitale über 100cm sind realistisch. Als Anfänger solltest du:
Alternative für Einsteiger: Starte an kleineren Gewässern in der Region, um Hechtangeln zu lernen, bevor du dich dem Ammersee stellst. Oder buche einen professionellen Guide – das spart dir frustrierende Schneidertage.
Die Preise für Angelkarten am Ammersee variieren je nach Dauer und Fischereiverein. Tageskarten kosten meist ca. 15-25 Euro, Wochenkarten ca. 50-80 Euro und Jahreskarten zwischen 150-300 Euro.
Du kannst die Karten bei lokalen Angelgeschäften, Bootsverleihen oder direkt beim zuständigen Fischereiverein kaufen. Wichtig: Du benötigst zusätzlich einen gültigen Fischereischein (Angelschein). Informiere dich vor deinem Besuch über die genauen Preise und Ausgabestellen beim Fischereiverein Ammersee.
Der Ammersee ist kein Gewässer, an dem du mal eben vorbeifährst und einen Meterhecht fängst. Er ist riesig, tief und anspruchsvoll – viele Angler berichten von frustrierenden Tagen, an denen die Rute stumm bleibt. Aber genau das macht den Reiz aus.
Wenn du die Hotspots kennst (Herrschinger Bucht, Fischbach-Einlauf, tiefe Kanten), zur richtigen Zeit am Wasser bist (Herbst, frühe Morgenstunden) und mit der richtigen Methode arbeitest (Schleppangeln für Kapitale, Spinnfischen vom Ufer), dann hast du realistische Chancen auf Hechte, die du nie vergessen wirst.
Drei Dinge, die du dir merken solltest:
Und wenn du dann irgendwann einen Hecht von über 100 cm landest, während die Sonne hinter den Alpen aufgeht und der Nebel über dem See liegt – dann verstehst du, warum so viele Angler immer wieder an den Ammersee zurückkehren. Dieser See verzeiht keine Fehler, aber er schenkt dir Momente, die du ein Leben lang in Erinnerung behältst.
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